Warum Greenwashing und vermeintliche ‘grüne’ Lösungen ein Problem sind und echten Klimaschutz ausbremsen

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Fossile Energien sind der Haupttreiber der globalen Klimakrise. Öl, Gas und Kohle sind verantwortlich für den Großteil der menschengemachten Treibhausgasemissionen und damit für steigende Temperaturen, Extremwetter, Artensterben und soziale Ungleichheit. 

Um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu verhindern, müssen fossile Energien schnell und konsequent aus dem Energiesystem verschwinden. Doch genau jene Industrien, die seit Jahrzehnten massiv von fossilen Geschäftsmodellen profitieren, insbesondere Öl-, Gas-, Chemie- und Plastikunternehmen setzen alles daran, diesen Wandel aufzuhalten. 

Statt Verantwortung zu übernehmen und ihr Geschäftsmodell umzustellen, investieren sie Milliarden in Werbung, PR-Kampagnen und Lobbyarbeit, um:

  • vom tatsächlichen Schaden ihrer Produkte abzulenken

  • politische Regulierung zu verhindern oder auszubremsen

  • und den notwendigen Ausstieg aus fossilen Energien hinauszuzögern. 

Zentraler Bestandteil dieser Strategie sind Greenwashing, falsche Klimaschutzlösungen und gezielte Desinformation.

Wie Unternehmen echten Klimaschutz behindern

Ablenken, ausbremsen, verzögern: dieses Muster zieht sich durch die Kommunikationsstrategien vieler großer Konzerne.  Wir erklären, was genau hinter Greenwashing, falschen Lösungen und Desinformations-Kampagnen steht.

Greenwashing: Wenn Werbung grüner wirkt als die Realität

Greenwashing bezeichnet den Versuch von Unternehmen, sich durch Werbung, Marketing oder öffentliche Kommunikation umweltfreundlicher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Dabei geht es nicht um einzelne missverständliche Aussagen, sondern um systematische Irreführung.

Unternehmen heben gezielt einzelne „grüne“ Maßnahmen hervor, während ihr Kerngeschäft weiterhin massiv Umwelt und Klima schädigt. So entsteht der Eindruck, ein Unternehmen oder Produkt sei besonders nachhaltig, obwohl das zugrunde liegende Geschäftsmodell weiterhin auf fossilen Energien, Plastikproduktion oder ressourcenintensiven Prozessen basiert. 

Das wirkt sich auf die Kaufentscheidungen von Konsument*innen aus, denn viele Menschen sind bereit, mehr Geld für umwelt- und klimafreundlichere Alternativen auszugeben oder bewusst auf bestimmte Produkte zu verzichten. Damit diese Entscheidungen Wirkung entfalten können, müssen sie sich jedoch darauf verlassen können, dass Produktversprechen zutreffend, überprüfbar und nicht irreführend sind. Greenwashing untergräbt genau dieses Vertrauen. Es lenkt Konsument*innen davon ab, informierte Entscheidungen zu treffen, verzerrt den Wettbewerb und schwächt den gesellschaftlichen Diskurs über echten Klimaschutz. 

Zugleich ist Greenwashing nicht nur eine gezielte Marketingstrategie, sondern in vielen Fällen rechtswidrig. Irreführende Werbung mit umweltfreundlichen Praktiken kann gegen Verbraucher- und Wettbewerbsrecht verstoßen. ClientEarth geht deshalb juristisch gegen Unternehmen vor, die mit falschen oder unbelegten Nachhaltigkeitsversprechen werben, unter anderem in Fällen gegen Nestlé in Polen, TotalEnergies in Frankreich oder die Fluggesellschaft KLM. 

Falsche Lösungen: Scheinbare Antworten auf die Klimakrise

Neben Greenwashing setzen viele Unternehmen auf sogenannte „falsche Lösungen“. Dabei handelt es sich um Maßnahmen oder Technologien, die als Klimaschutz dargestellt werden, aber keinen ausreichenden oder nachweisbaren Beitrag zur Lösung der Klimakrise leisten. 

Diese vermeintlichen „Lösungen“ haben eines gemeinsam: Sie ermöglichen es Unternehmen, ihr bestehendes Geschäftsmodell weiterzuführen ohne grundlegende Veränderungen. 

Ein bekanntes Beispiel ist die Behauptung, fossiles Gas könne eine „Brückentechnologie“ oder sogar eine „Klimaschutzlösung“ sein. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass Gas über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg ähnlich klimaschädlich wie Kohle sein kann. Besonders bei Förderung, Verarbeitung und Transport wird Methan freigesetzt, ein Treibhausgas, das kurzfristig deutlich klimaschädlicher ist als CO₂. 

Solche Narrative verzögern den Ausbau erneuerbarer Energien und binden Investitionen an Technologien, die uns langfristig nicht aus der Klimakrise führen. 

Desinformation: Gezielte Irreführung der Öffentlichkeit

Desinformation bezeichnet die bewusste Verbreitung falscher oder irreführender Informationen, die wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen. Im Kontext der Klimakrise bedeutet das: 

  • Zweifel an gesicherten Forschungsergebnissen säen
  • Risiken fossiler Energien verharmlosen,
  • oder Klimaschutzmaßnahmen als unnötig oder schädlich darstellen. 

Soziale Medien haben diese Strategien massiv verstärkt. Sie bieten fossilen Industrien eine riesige Reichweite, um irreführende Narrative zu verbreiten oft ohne ausreichende Kontrolle oder Einordnung. 

Greenwashing auf einen Blick

52%

der Menschen geben an, bereits falsche oder irreführende Informationen über nachhaltige Aktivitäten von Marken gesehen oder gehört zu haben (Studie 2023).

70%

Anstieg von klimabezogenen Greenwashing-Vorfällen im Finanz- und Bankensektor innerhalb eines Jahres (Bericht 2023).

70%

der Befragten einer aktuellen IPSOS Umfrage gaben an, eher ein in Plastik verpacktes Produkt zu kaufen, wenn auf der Verpackung Recyclingversprechen abgedruckt sind.

Über 50%

der in der EU verwendeten Umwelt- und Nachhaltigkeitssiegel bieten keine oder nur sehr schwache Überprüfung.

Die Greenwashing Files – die Wahrheit hinter den Werbeversprechen

 

Noch nie war es so dringend wie heute, dass Unternehmen tatsächlich nachhaltig handeln, nicht nur nachhaltig werben. 

Gleichzeitig stammen viele der auffälligsten „grünen“ Werbekampagnen von Unternehmen, die überdurchschnittlich stark zur Klimakrise beitragen. Wir haben das tiefer untersucht und die Ergebnisse in den "Greenwashing Files" (auf Englisch) veröffentlicht.

Wie ClientEarth gegen Greenwashing vorgeht

Als Umweltrechtsorganisation setzt ClientEarth dort an, wo freiwillige Selbstverpflichtungen versagen: beim Recht. ClientEarth nutzt rechtliche Mittel, um irreführende Umweltwerbung anzufechten, Transparenz einzufordern und sicherzustellen, dass Unternehmen für ihre Aussagen zur Verantwortung gezogen werden können. Ziel ist es, verlässliche Informationen, fairen Wettbewerb und echten Klimaschutz zu stärken, statt Scheinlösungen und leeren Versprechen Raum zu lassen.

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