Pressemitteilung: 18.12.2025
Rüge des Presserats zu irreführender Berichterstattung der WELT über ClientEarth und andere NGOs
Der deutsche Presserat hat eine öffentliche Rüge gegenüber der WELT für deren Berichterstattung über Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und deren Finanzierung ausgesprochen. Der Presserat reagierte damit auf Beschwerden von ClientEarth und anderen Organisationen. Eine öffentliche Rüge ist die härteste Sanktion, die dem Presserat zur Verfügung steht. Sie muss von dem entsprechenden Medienorgan einer der jeweils nächsten Ausgaben veröffentlicht werden.
Unter anderem unter der Überschrift „Geheime Verträge – EU-Kommission bezahlte Aktivisten für Klimalobbyismus“ hatte die WELT über die Finanzierung von Umwelt-NGOs, darunter auch ClientEarth, aus dem LIFE-Förderprogramm der EU berichtet. Sie hatte dabei behauptet, die EU-Kommission habe in „Geheim-Verträgen” NGOs mit bestimmten Aktivitäten beauftragt. Die Berichterstattung der WELT war in anderen Medien aufgenommen worden. Der Presserat beanstandete unter anderem, dass die genannten Organisationen, wie etwa ClientEarth, vor Veröffentlichung des entsprechenden Artikels keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten haben.
Tatsächlich hatte ClientEarth wie in solchen Fällen üblich einen Förderantrag mit einem selbst entwickelten Arbeitsprogramm (unter anderem zur besseren Durchsetzung europäischen Umweltrechts) gestellt, das von der Kommission akzeptiert und in der Folge aus dem LIFE-Programm finanziell gefördert wurde.
Der Beschwerdeausschuss des Presserats sah in der Berichterstattung der Welt sowie der fehlenden Gelegenheit zur Stellungnahme “eine gravierende Irreführung der Leserschaft und einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht”.
Dr. Christiane Gerstetter, Geschäftsführerin von ClientEarth in Deutschland sagt: “Wie verzerrend eine Zeitung wie die WELT über die Finanzierung von NGOs wie ClientEarth berichtet hat, hat mich sehr beunruhigt. Auch, dass andere Medien das anscheinend ungeprüft übernommen haben, ist erschreckend - schließlich haben sie eine journalistische Sorgfaltspflicht. Desinformation ist aktuell ein großes gesellschaftliches Problem, Umweltpolitik ist unter Druck und die Handlungsräume für die Zivilgesellschaft werden kleiner. In solchen Zeiten ist es besonders wichtig, dass Medien ihrer Aufgabe nachkommen, faktenbasiert und sorgfältig zu berichten.“
„Ich begrüße es daher sehr, dass der Presserat mit seiner Entscheidung klargestellt hat, dass die Berichterstattung der WELT zu ClientEarth irreführend war und einen schweren Verstoß gegen journalistische Sorgfaltspflichten darstellt. Daraus sollten auch andere Medien lernen, welche die Berichterstattung der WELT ungeprüft übernommen oder in ähnlicher Weise berichtet haben.”
ENDE
Hintergrund:
Erklärung des Presserats: Mehrere Rügen für Nahost-Berichterstattung - Presserat
Frühere Richtigstellung von ClientEarth zur Berichterstattung der Welt (Juni 2025)
Pressekontakt:
Johanna Famulok, jfamulok@clientearth.org, Tel: +4915111850351
Über ClientEarth – Anwälte der Erde
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